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Titelbild Ausgabe 3/4 2012

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Ausgabe 1/2

Flow

Aus Freude an der Arbeit

Es ist ein schmaler grat, auf dem sich dieser Flow abspielt. „Sobald die Aufgabe unter- oder überfordert, ist der Bann gebrochen“, erklärt Huhn und bringt ein Beispiel. „Einen Anderthalbtausender zu besteigen, mag beim ersten Mal ein großes Glücksgefühl auslösen, auch noch beim zweiten Mal. Irgendwann wird es aber langweilig. Dann gleich einen Sechstausender anzugehen, würde jedoch für Angst und Stress sorgen statt für Glück.“ Das Maß zwischen Herausforderung und Fähigkeiten muss stimmen. Denn auch die Gewissheit, momentan alles steuern zu können und im Griff zu haben, ist eine unverzichtbare Zutat des Flows. Ist dieser Zustand erreicht, bringt er ein hohes Maß an Konzentration mit sich. Äußere Reize werden ausgeblendet, Alltagsprobleme treten in den Hintergrund. Trotzdem gelingt es, all das effektiv aufzunehmen und zu verarbeiten, was der Aufgabe zuträglich ist. Und dann fließt er: der Zustand der Selbstvergessenheit, in dem Bewusstsein und Handlung verschmelzen.

| Bild: Flow
Verschmelzen von Bewusstsein und Handlung: Solche Flow-Erlebnisse haben viele Menschen im Beruf – Tänzer auf besonders ausdrucksstarke Weise, hier des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden.
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Und dann klingelt das telefon oder der Kollege ruft ein „schönen Feierabend“ ins Büro.
Der Flow ist dahin – und meistens ist es schon viel später, als man dachte. Nun wäre es tatsächlich Zeit für den Feierabend, den man sich nach einer erfolgreichen Arbeitsphase zufrieden gönnen könnte. Wohl dem, der nun die Kurve kriegt und tatsächlich eine Erholungsphase einläutet. Doch bei wem es gerade so gut läuft, der lässt sich nicht gerne von der Zielgeraden holen. So ist die Versuchung groß, weiterzumachen, bis der Flow wieder da ist – und möglichst lange anhält. Glücklich kann sich schätzen, wer Flows bewusst erleben und aufgrund seiner Erfahrung sogar immer wieder herbeiführen kann. Noch glücklicher kann sich schätzen, wer weiß, wann das Maß voll ist.

Denn, so warnt huhn: „Flow ist ein janusköpfiges Phänomen.“ Das Verschmelzen mit der Aufgabe führt dazu, dass wichtige Signale des Körpers unterdrückt werden. Das ist gut, damit die Konzentration und Leistungsfähigkeit nicht leidet. Doch wer Hunger, Durst und Übermüdung allzu lange und allzu oft übergeht, beutet seine Ressourcen aus. Mit der Zeit gerät nicht nur das Selbst in Vergessenheit, sondern auch die Umgebung. Mitmenschen, die ablenken, Verabredungen, die unterbrechen, werden als Störung empfunden. Wer es damit übertreibt, lernt die dunkle Seite des Flows kennen: Erschöpfung und Isolation. Neben Problemen mit dem sozialen Umfeld, das zunehmend verständnislos auf den Rückzug reagiert, lassen sich die positiven Reize des Flows immer seltener abrufen. Wie bei einem Süchtigen wirkt die Droge nicht mehr wie am Anfang. Die Dosis muss erhöht werden, trotzdem steigt die Unzufriedenheit. Die Abwärtsspirale ist in Gang – eventuell bis zum Burn-out. So lautet auch der Rat, den Huhn dem Auditorium in Dresden mit auf den Weg gibt: die Freude an der Arbeit genießen, es aber nicht übertreiben.

Miriam Becker (Universum Verlag)
Fotos: Martin Kaufhold
redaktion@dguv-aug.de
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