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Ausgabe 1/2

| Bild: Ulrich Dick |

Zeitarbeiter

Kollege auf Zeit

Ob Handwerker oder Hilfskraft, in Fabrik- oder Bürojobs: Zeitarbeiter helfen in fast allen Branchen aus. Wer die Leistungen von Zeitarbeitsunternehmen in Anspruch nimmt, hat in der Hand, wie effektiv und sicher der Einsatz verläuft.

Montagmorgen, 6:00 Uhr am Werkstor. Der Mitarbeiter des Zeitarbeitsunternehmens ist pünktlich – und wie immer vor einem neuen Einsatz etwas aufgeregt. Werden die Vorgesetzten und Kollegen ihn freundlich aufnehmen? Wird er leisten können, was von ihm erwartet wird? Wird er seine Aufgabe gut erklärt bekommen und bei Fragen nachhaken können? Wird ihm jemand zeigen, wo er die Pause verbringen und vielleicht einen Kaffee bekommen kann? Oder ihn sogar mit in die Kantine nehmen? „Im schlechtesten Fall weiß der Pförtner am Werkstor nichts mit dem Mitarbeiter des Zeitarbeitsunternehmens anzufangen“, erzählt Herbert Grond, Leiter Fachgebiet Zeitarbeit bei der VBG, aus dem Alltag der Zeitarbeitnehmer. „Wenn es bei dem entleihenden Unternehmen so anfängt, geht es oftmals chaotisch weiter: Der Zeitarbeitnehmer wird dann irgendwann irgendwie eingesetzt, meist mit einer Aufgabe betraut, die bei den fest angestellten Beschäftigten unbeliebt ist, zudem wird er schlecht unterwiesen und – meist unbewusst – sozial ausgegrenzt. Das kommt leider viel häufiger vor, als uns lieb sein kann.“ Grond kennt die Probleme der Wachstumsbranche, die mittlerweile mehr als 800.000 Menschen für befristete Einsätze bei Unternehmen vieler Branchen beschäftigt.

| Bild: Jennifer Schneider; Ulrich Dick
Im Zeitarbeitsunternehmen bekommt Ulrich Dick eine allgemeine Unterweisung. Die Disponentin Jennifer Schneider klärt ihn über mögliche Gefahren auf
|

Die entleihenden Unternehmen sind teil der Lösung. Wer sich die Unterstützung ins Unternehmen holt, sollte wissen: Zeitarbeiter sind höher unfallgefährdet als fest angestellte Beschäftigte mit ähnlichen Aufgaben. Die Gründe liegen auf der Hand: Zeitarbeitnehmer müssen sich ständig auf neue Umstände einstellen. „Zeitarbeit soll dem entleihenden Unternehmen Nutzen bringen. Deshalb sollten Zeitarbeiter gut in den Betrieb integriert werden – mit Blick auf ihre hohe Gefährdung insbesondere in die Maßnahmen der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes“, erklärt Grond. Dazu gilt es, auf allen Ebenen für mehr Sicherheit zu sorgen: dem Zeitarbeitnehmer Unsicherheit nehmen, indem ihm Vorgesetzte und Kollegen Wertschätzung entgegenbringen und ihn mit dem ausstatten, was er für einen guten Job braucht. Damit sind auch die rechtlichen Voraussetzungen für eine Entleihung erfüllt. Grond: „Wer die allzu häufige Praxis auflöst, Zeitarbeiter vor allem aus Kostenaspekten einzusetzen und sie wie ‚Beschäftigte zweiter Klasse‘ zu behandeln, kann deren Potenzial besser nutzen.“ Das heißt auch, kollegial zu sein und sie in das soziale Geschehen im Betrieb einzubinden, beispielsweise auch an Angeboten des eigenen Gesundheitsmanagements teilhaben zu lassen. Martin Gehrke, der selbst ein Zeitarbeitsunternehmen führt und dem Bundesvorstand des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen angehört, empfiehlt darüber hinaus: „Zeitarbeitnehmer sehen viele Betriebe von innen. Nutzen Sie deren Wissen, indem Sie gezielt nachfragen, ob sie Verbesserungsvorschläge haben.“

| Bild: Ulrich Dick
Dick füllt den Unterweisungsfragebogen aus.
Die VBG bietet über 30 Fragebögen für
verschiedene Einsatzbereiche an.
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| Bild: Jenniffer Schneider
Vom Zeitarbeitsunternehmen
bekommt Dick eine
Grundausstattung
der Persönlichen
Schutzausrüstungen
zur Verfügung gestellt.
Das Kundenunternehmen
steuert spezielle
Ausrüstung bei.
|
Da die Arbeitsverhältnisse kurz – nur Wochen oder wenige Monate – andauern,
bleibt das Verhältnis zu den Kollegen auf Zeit in den meisten Betrieben jedoch oberflächlich. Vor allem die Branche selbst arbeitet gegen das „Hire-and-Fire“-Image an. Aber auch als billigen Ersatz für fest angestellte Mitarbeiter, wie der Drogeriemarkt Schlecker es praktiziert hat, möchte die Branche ihre Beschäftigten nicht missbraucht sehen. Sie setzt auf Qualifikation sowohl der Mitarbeiter, die entliehen werden, als auch der eigenen Disponenten, welche die Einsätze planen und koordinieren. Die VBG unterstützt die Zeitarbeitsunternehmen dabei systematisch, unter anderem mit Beratung, mit der Qualifizierung von Disponenten im Bereich Arbeitssicherheit oder Arbeitshilfen wie den Fragebögen „Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit“. Noch mehr Schubkraft haben die Bemühungen durch die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) bekommen. Mit ihrem Programm wollen die drei Träger – der Bund, die Länder und die Unfallversicherungsträger – Sicherheit und Gesundheit in der Zeitarbeit stärken. Auch die Experten der GDA sehen in den unsicheren Arbeitsverhältnissen eine Ursache für die hohen Unfallzahlen und die Schwere der Arbeitsunfälle: „Psychische Faktoren wie Überforderung, Übermüdung, Nervosität, Hektik, Aufmerksamkeitsdefizite und Angst haben einen hohen Einfluss auf das Unfallrisiko“, erklärt Grond. Die Folgen sind messbar: Die Zeitarbeitsbranche fällt mit mehr als 47.000 meldepflichtigen Arbeitsunfällen negativ auf, hinzu kommen fast 10.500 Wegeunfälle (2010) und ein hoher Krankenstand. Angelegenheit der Zeitarbeitsunternehmen? Nur zum Teil.
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