AuG-Logo

Leserservice

Aboänderungen:
Adresse, Ansprechpartner,
Bezugsmenge, Probehefte

Leserservice

Abonnement

Titelbild Ausgabe 3/4 2012

DGUV Arbeit & Gesundheit ist das praxisorientierte Magazin für sicheres und gesundes Arbeiten. Werden Sie Abonnent! Damit Sie keine Ausgabe verpassen und immer top informiert sind.

Bild des Monats







Werfen Sie einen
kritischen Blick auf
"Das Allerletzte"
und wählen Sie das Bild des Monats!

Oktober 2010

| Bild: Multitasking
Foto: Fotolia
|

Studie

Irrglaube Multitasking

Oft erledigen Mitarbeiter mehrere Aufgaben gleichzeitig. Ein Institut der Gesetzlichen Unfallversicherung untersuchte, wie sich Multitasking auf die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten auswirkt.

Wer kennt das nicht? Im Auto zur nächsten Besprechung und schnell noch einen Geschäftspartner anrufen. Oder telefonieren und gleichzeitig eine wichtige E-Mail schreiben. Sehr häufig erledigen die Beschäftigten mehrere Dinge gleichzeitig mit dem Argument, Zeit sparen zu wollen. Welche Auswirkungen dies auf die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter hat, zeigt eine Untersuchung von je 32 Frauen und Männern zwischen 21 und 60 Jahren, durchgeführt vom Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IAG).

Die Teilnehmer lösten im Rahmen der Studie jeweils zwei Aufgaben.

1. Simuliertes Fahren: Die Probanden wechselten bei den entsprechenden Signalen die Spur.
2. Bürotätigkeit: Die Probanden entschieden per Knopfdruck, ob Worte, die sie auf dem Bildschirm gesehen haben, Rechtschreibfehler enthielten oder nicht.

Beide Aufgaben wurden zunächst ohne, dann mit einer Zusatzaufgabe erledigt. Während des simulierten Fahrens tippten die Probanden zum Beispiel eine Telefonnummer ins Handy oder lasen eine Wegbeschreibung vor. Bei der „Wortaufgabe“ wurde ihnen ein Text über Kopfhörer vorgespielt, zu dem sie im Anschluss Fragen beantworteten.

Kein Unterschied zwischen Alt und Jung
Die Ergebnisse zeigen, dass sich nicht nur die Leistung verschlechtert, sondern auch die subjektive Anspannung steigt. Bei der „Fahraufgabe“ stieg darüber hinaus der Herzschlag deutlich an. Man kann davon ausgehen, dass auch bei realen Arbeitsaufgaben Multitasking zu mehr Fehlern und zu psychischer Fehlbeanspruchung führt. Übrigens zeigten sich bei der Untersuchung weder Alters- noch Geschlechterunterschiede. Männer und Frauen sind also gleich „schlecht“ und es ist egal, ob sie 20 oder 60 Jahre alt sind.

Das eigene Verhalten hinterfragen
Das Ausmaß der Verschlechterung und der psychischen Beanspruchung hängt von der Art der Aufgaben ab. Gut geübte Tätigkeiten, bei denen man sich weniger konzentrieren muss, können gleichzeitig mit einer anderen Tätigkeit durchgeführt werden, zum Beispiel zum Essen gehen und dabei mit einem Kollegen sprechen. Oder einen Brief lesen und dabei Kaffee trinken. Multitasking immer und überall zu vermeiden, würde also nicht funktionieren.

Zwei Fragen können helfen, um festzustellen, ob Multitasking kritisch ist:

1. Wie viel Aufmerksamkeit erfordern die Tätigkeiten?
2. Zu welchen Konsequenzen führen mögliche Fehler?

Wer sich diese Fragen vor Augen hält, setzt Prioritäten und kann effektiver arbeiten. Auch wenn viele Menschen davon überzeugt sind: Zeit sparen sie nicht, wenn sie Dinge gleichzeitig erledigen. Einigen Mitarbeitern gibt Multitasking ein gutes Gefühl, für andere wichtig und
unabkömmlich zu sein. Manchmal fördert auch eine „falsche“ Unternehmenskultur das Multitasking, da die Kollegen, die vieles gleichzeitig erledigen, als die besonders leistungsfähigen gelten. Allerdings reicht es in der Regel nicht aus, an die Kollegen zu appellieren,
nicht alles gleichzeitig zumachen.

Aus diesem Grund sollte das eigene Verhalten stets überprüft und Freiräume zur Konzentration geschaffen werden. Außerdem kann Multitasking langfristig dazu führen, dass sich unsere Konzentrations- und geistige Leistungsfähigkeit verschlechtert, vor allem wenn ständig zwischen Tätigkeiten hin- und hergewechselt wird.

Dr. Hiltraut Paridon (IAG), Bereich Gefährdungsbeurteilung bei psychischen Belastungen am Arbeitsplatz/DZ,
redaktion@arbeit-und-gesundheit.de
| 1 | 2 | zur nächsten Seite springen
zur Übersicht