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Erfolgreiche Fachtagung "Psychische Belastungen im Beruf"
Angst um den Arbeitsplatz, Folgen von Mobbing oder Schichtarbeit: Psychische Fehlbelastungen im Beruf haben viele Gesichter - und können krank machen. Dieses wachsende Problem haben Arbeitsschützer längst erkannt. Über die thematische Bandbreite hinweg haben sich Experten aus Forschung und Praxis jüngst zum Thema ausgetauscht: am 27. und 28. Mai 2010 in Bad Münstereifel.Wie lässt sich wachsenden psychischen Belastungen angemessen begegnen? Wie sehen Strategien aus, um Mitarbeiter seelisch zu stärken? Zwei Tage im Zeichen der psychosozialen Gesundheit stand der Berghof (Bild), eine Tagungsstätte der BG ETEM. Nach den Grußworten von Dr. Bodo Pfeiffer, Leiter des IAG, stellte Prof. Dr. Dirk Windemuth das Dreiebenenmodell vor. Er ist Leiter der Abteilung "Forschung und Beratung" des IAG und stellvertretender Institutsleiter. Mit dem Modell werden psychische Belastungen in einem dreigliedrigen Geflecht von Beschäftigtem, Unternehmen und Gesellschaft beschrieben.
Einen philosophischen Ansatz wählte Priv.-Doz. Dr. Detlev Jung: Sein Vortrag behandelte die Arbeit und ihr Verhältnis zu der Zeit. Seit der Aufklärung nehmen Menschen die Zeit als begrenzt wahr. Damit wird Lebenszeit zum kostbaren Gut, das mit Arbeitslohn nur unzureichend aufgewogen wird. Der Mensch muss also die Lohnarbeit selbst als sinnstiftend empfinden, um seelisch gesund zu bleiben. Jung ist Betriebsarzt beim Zweiten Deutschen Fernsehen und Privatdozent an der Universität Mainz.
Über wirtschaftliche Rahmenbedingungen für Arbeit und Beruf referierte Olaf Petermann, Vorsitzender der Geschäftsführung der BG ETEM. So genannte Fehlbeanspruchungen stellen den Gesundheitssektor vor große Herausforderungen: Beschäftigte werden immer häufiger wegen psychischer Probleme krankgeschrieben. Das kostet nicht nur Geld, sondern auch motivierte Mitarbeiter. Es sollten also rechtzeitig geeignete Präventionsmaßnahmen durchgeführt werden.
Von den überbetrieblichen Faktoren zum betrieblichen Blickwinkel wechselte Dr. Gregor Breucker vom Europäischen Netzwerk für Betriebliche Gesundheitsförderung (ENWHP) und Mitglied des BKK Bundesverbands, Essen. Breucker ging auf die betriebliche Gesundheitsförderung ein. Prof. Dr. Dirk-Matthias Rose referierte über die Erfassung psychischer Belastungen im betrieblichen Alltag. Der Faktor Führungsqualität spielt laut Rose eine ausschlaggebende Rolle, wenn es um die Gesundheit der Mitarbeiter geht. Rose ist Vorstand Medizin und Technik der IAS-Stiftung, Karlsruhe, und Lehrbeauftragter für Flugmedizin an der Universität Mainz.
Wie lässt sich mit psychischen Belastungen umgehen? Auch das war Thema der Tagung. Eine gute Möglichkeit zum Ausgleich bieten Sport und Bewegung, weiß Dipl.-Psych. Susanne Brandstetter aus der Sektion Sport- und Rehabilitationsmedizin des Universitätsklinikums Ulm. Ganz praktisch hatten die Tagungsteilnehmer in den Pausen dann Gelegenheit, sich ebenfalls sportlich zu betätigen - natürlich unter fachlicher Anleitung.
Um mögliche Beanspruchungsfolgen ging es im letzten Teil der Tagung: Vom Problem des Absentismus und Präsentismus handelte der Vortrag von Dr. Frauke Jahn, Leiterin des Bereichs Projektmanagement und -marketing des IAG. "Absentismus" bezeichnet häufiges Fernbleiben vom Arbeitsplatz; "Präsentismus" bedeutet, dass Mitarbeiter trotz Krankheit zur Arbeit kommen. Schließlich widmete sich Dr. phil. Dipl.-Psych. Stefan Poppelreuter dem Thema Burnout. Poppelreuter ist Kompetenzcenterleiter bei der TÜV Rheinland Consulting GmbH in den Bereichen "Personal- und Organisationsentwicklung" sowie "Change Management".
Die Teilnehmer nahmen gerne die Gelegenheit zum fachlichen Austausch wahr: Sämtliche Themen wurden angeregt diskutiert und vertieft. Da die Nachfrage sehr groß war, ist eine weitere Veranstaltung zum Thema psychische Belastungen geplant.
Die Fachtagung entstand in Kooperation mit den Herausgebern des Praxishandbuchs psychische Belastungen im Beruf, Prof. Dr. Dirk Windemuth, Priv.-Doz. Dr. Detlev Jung und Olaf Petermann. Mehr zum Praxishandbuch sowie eine Bestellmöglichkeit finden Sie unter www.universum-shop.de. Sabina Ptacnik,
redaktion@arbeit-und-gesundheit.deKurz-Interviews im Video mit den Herausgebern des Praxishandbuchs psychische Belastungen im Beruf:
- Prof. Dr. Dirk Windemuth über das Dreiebenenmodell psychischer Belastungen
- Priv.-Doz. Dr. Detlev Jung über Erfahrungen aus seiner Praxis als Betriebsarzt
- Olaf Petermann über die Bedeutung psychischer Belastungen für den Arbeitsschutz
Zur Frage "Arbeit als Lebenssinn?" äußert sich Priv.-Doz. Dr. Detlev Jung in einem weiteren Interview.

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