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Titelbild Ausgabe Juli 2010

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Februar 10

Fünf verbreitete Irrtümer zum Thema Stress

Wer in der Stressfalle sitzt, merkt es oft gar nicht. Arbeit und Gesundheit hat fünf typische Aussagen solcher Menschen von Prof. Dr. Dirk Windemuth, Leiter der Abteilung „Forschung und Beratung“ am Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IAG) und stellvertretender Institutsleiter kommentieren lassen.

Irrtum Nummer 1: Ich bin ein guter Multitasker
Ob es die Fähigkeit zum Multitasking überhaupt gibt, ist wissenschaftlich noch sehr umstritten. Es scheint so zu sein, dass Menschen unter Multitasking den schnellen Wechsel zwischen verschiedenen Aufgaben verstehen. Dabei wird zum einen viel Energie verbraucht, umpermanent hin- und herzuschalten, zumanderen ist dieAufgabenerledigung kaumschneller, alswenn sie nacheinander erfolgt. Aktuelle Studien belegen auch: Wenn Personen scheinbar mehrere Dinge gleichzeitig tun, wird ihre Leistung schlechter und sie sind körperlich sehr viel mehr beansprucht, als wenn sie sich auf eine Sache konzentrieren. Die einzige Möglichkeit, die Leistung aufrechtzuerhalten, ist, sich mehr Zeit zulassen – aber dann kannman die Dinge auch gleich nacheinander erledigen.

Irrtum Nummer 2: Ich brauche keine Pause
Das ist ein Wunsch, den viele Menschen haben: Pausenlos zu arbeiten und gleichbleibend produktiv zu sein. Dabei belegt die Literatur schon seit Jahrzehnten, dass das nicht geht. Wer keine Pausen macht, lässt in seiner Leistung nach. Deshalb sind auch die im Arbeitszeitgesetz vorgeschriebenen Pausen sinnvoll. Sie erhöhen die Produktivität wieder und entlasten den Beschäftigten von seiner körperlichen Beanspruchung.

| Bild: Keine Pause
© Fotolia
|
Irrtum Nummer 3: Meine Arbeit füllt mich aus, Freunde und Hobbys brauche ich nicht
Dass Arbeit den Menschen ausfüllt, ist erstrebenswert. Dies tut auf Dauer aber nur gut, wenn es auch in anderen Lebensbereichen stimmt – also die „Work-Life-Balance“ stimmt. Das ist aus mehreren Gründen wichtig. Erstens ist soziale Unterstützung der wichtigste Schutz vor Stress – und die findet man nur in einem funktionierenden Gefüge aus Familie und Freunden. Zweitens sind Hobbys Kraftquellen, die insbesondere dann benötigtwerden,wenn es nicht mehr ideal läuft am Arbeitsplatz. Wer solche Ressourcen nicht hat, lässt sich von kleinen Misserfolgen sehr schnell aus der Bahn werfen. Deshalb gilt: Vernachlässigen Sie Ihr Privatleben niemals dauerhaft!

Irrtum Nummer 4: Mir reichen fünf Stunden Schlaf Vereinzelt gibt es tatsächlich Menschen, die sich nach fünf oder sogar vier Stunden Schlaf pro Nacht ausreichend erholt fühlen. Sehr viel häufiger sind allerdings solche, die nur so wenige Stunden bekommen und denen dies eindeutig nicht genügt. Sie müssen den Schlafmangel durch starke Anstrengung des Herz-Kreislauf-Systems ausgleichen, manche greifen zu Aufputschmitteln. Beides ist dauerhaft schädlich. Wer aufgrund von Einschlafstörungen unter Übermüdung leidet oder nachts häufig aufwacht und nicht mehr einschlafen kann, sollte mit einem Arzt sprechen. Es gibt vielfältige Ursachen und Hilfen. Übrigens: Wer wissen will, wie viel Schlaf er persönlich braucht, kann dazu einen längeren Urlaub nutzen. Ab der zweiten oder dritten Urlaubswochemöglichst ausschlafen und nachrechnen, wie viele Stunden es im Schnitt sind.

Irrtum Nummer 5: Ich muss ständig erreichbar sein und eine Flut von Mails zeitnah beantworten
Das ist – soweit nicht der Arbeitsplatz explizit für diese Aufgabe gedacht ist – der Traumvon der Unverzichtbarkeit des Einzelnen. Dafür gibt es ein interessantes Sprichwort: Wer unverzichtbar ist, hat es versäumt, sich ersetzbar zu machen. Menschen, die einem sagen, dass sie per Mail immer sofort erreichbar sein müssen, sind oftmals per Telefon nicht erreichbar. Fast jedem Beschäftigten ist es möglich, sich „stille Stunden“ oder zumindest halbe Stunden einzurichten, in denen er nicht zum Spielball eingehender Mails wird und er sich Zeit nimmt für die produktiven und kreativen Aspekte seiner Arbeit. Wer nur noch reagiert, kann nicht mehr offensiv und konstruktiv sein.

Tipp der Redaktion: „Stress managen – entdecken Sie die Möglichkeiten“ Mit einem neuen Online-Angebot unter www.vbg.de/stressmanagen lädt die VBG ein, gegen Stress aktiv zu werden – jeder für sich persönlich im Bereich „Stressmanagement für mich“. Er ist sehr klar strukturiert und führt den Besucher Schritt für Schritt zu den Aspekten, die ihn persönlich betreffen. Die Informationenwerden abwechslungsreich und anregend präsentiert, so dass man ebenso angenehm wie schnell zu fundierten und praxisnahen Tipps kommt. Ein guter Einstieg ist der Selbsttest oder auch die Erste Hilfe. Das gesamte Programmist frei zugänglich. Wer Chef oder Führungskraft ist und für weniger Stress im Betrieb sorgen will, findet im Bereich „Stressmanagement für Unternehmen“ gehaltvolle Informationen.

Miriam Becker, redaktion@arbeit-und-gesundheit.de
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