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Februar 10

Stark gegen Stress

Doch manchmal liegt das Leiden näher als das Handeln. Als Faustregel führt Greif hier an: „Wenn eine Situation länger als sechs Wochen stresst, ist es an der Zeit, in die Aktion zu gehen.“ Und das geht so: Wer sich als Opfer der Umstände in seinem Job sieht, sollte ernsthaft die Option eines Wechsels prüfen. Doch diese „große Lösung“ kommt oftmals nicht in Frage. „Dann sollte man genau hinsehen, welche Umstände sich verändern lassen“, erklärt Greif und gibt ein Beispiel: Die Mitarbeiterin eines Call-Centers war sehr genervt vom Klingeln des Telefons. Mit ihrem Chef vereinbarte sie, dass ihre eingehenden Anrufe mit einem optischen Signal angezeigt werden – für sie war diese kleine Veränderung eine große Entlastung. Wer in seinem Umfeld nach solchen Möglichkeiten sucht, sollte dabei ganz bewusst sehr subjektiv sein, denn Stress ist nicht objektivierbar. Ein weiteres Beispiel: Für die eine Kollegin ist das Radio im Hintergrund eine nette Untermalung für den Arbeitstag, die andere belastet das Gedudel bis zum Anschlag. Nur wer so ein Problem anspricht, kann es abstellen.

Aber auch diese Strategie hat ihre Grenzen. Nicht alle Umstände lassen sich so gestalten, wie wir es gerne hätten. An diesem Punkt gibt es nur eine Rettung: nicht gegen die Belastung, sondern für Entlastung kämpfen. Wer so weit gekommen ist, dem eröffnen sich zwei Handlungsstränge. Der eine ist, die eigene Einstellung zur Belastung zu verändern. Einfaches Beispiel: Jemand hat es eilig und gerät in einen Stau. Nun kann er seinen Stress steigern, indem er sich ärgert, hektisch Gas gibt und bremst, sich ausgiebig die ungünstigen Folgen seiner Verspätung ausmalt. Der andere nimmt die ohnehin nicht zu verändernde Situation hin und nutzt die Zeit zum Nachdenken, Musikhören, Betrachten der Landschaft. Keine Frage, wer von den beiden sich später souveräner für seine Verspätung entschuldigen und seinen Termin erfolgreicher absolvieren wird. Die Umstände waren die gleichen, nur der Umgang damit war unterschiedlich.

Der andere Handlungsstrang führt in die Welt der aktiven Entspannung. Nein, es muss nicht immer der Kurs für autogenes Training, Muskelrelaxation oder Taiji Quan an der Volkshochschule sein – dahin kann es aber führen. Wer zum Beispiel bei einem Seminar zur persönlichen Stressprävention, wie sie Träger der gesetzlichen Unfallversicherung anbieten, verschiedene Techniken ausprobieren kann, wird schnell etwas Nützliches für sich entdecken. Greif stellt die Klassiker vor und hat zudem eine „Schatzkiste“ mit kleinen, feinen Übungen für zwischendurch – schnell zu lernen, ohne großen Aufwand und diskret im Alltag umzusetzen, wie der „Anti-Stress-Dialog“ (siehe Arbeit und Gesundheit Dezember 2009) oder die untenstehende Übung „Hier und Jetzt 120“.Wer sich ein solches Rüstzeug aneignet und auch in stressigen Situationen mit einem Ruhepuls agieren kann, kommt tatsächlich gelassener und gesünder durchs Leben. Und eines sind die versammelten Teilnehmer des Seminars zur persönlichen Stressprävention wohl alle – auf der Suche nach mehr Gelassenheit und Gesundheit, der Gegenwelt von Stress. Die Auswertung nach zwei Trainingstagen zeigt: Sie alle fühlen sich diesem Ziel ein gutes Stück näher.

Übung: Hier und Jetzt 1201. Richten Sie den Blick auf das Zifferblatt Ihrer Armbanduhr.
2. Warten Sie, bis der Sekundenzeiger die 12 erreicht hat.
3. Verfolgen Sie nun aufmerksam den Sekundenzeiger auf seinem Weg um das Zifferblatt; richten Sie Ihre Konzentration auf den Vorgang des Betrachtens aus; sollten Ihre Gedanken abschweifen, so hat das keine Bedeutung; richten Sie einfach Ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Sekundenzeiger und „begleiten“ sie ihn auf seinem Weg.
4. Nach Ablauf von zwei Minuten nehmen Sie wieder die vorherige Tätigkeit auf oder wiederholen die Übung.

Lesen Sie mehr zum Thema:
>>> Interview: „Das Statussymbol der Gegenwart ist Zeit“
>>> Fünf verbreitete Irrtümer zum Thema Stress
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