Februar 10
Stark gegen Stress
Niemand möchte sich selbst in einer solchen Beschreibung wiederfinden. Aber jeder von uns hat etwas davon. Darin liegen unsere Stärken und Schwächen. Die große Kunst ist, sie auszubalancieren. Das ist es, was souveräne Menschen von gestressten unterscheidet – egal, wie voll ihr Terminkalender tatsächlich ist. Voraussetzung für diese innere Balance ist das richtige Maß zwischen Be- und Entlastung. Manche Menschen haben dafür ein gutes Gefühl und geben ihr Leben lang auf sich acht, ohne sich viele Gedanken darum zu machen. Andere müssen erst lernen, nach einer Beanspruchung abzuschalten. Wer darunter versteht, nach Feierabend auf demSofa fernzusehen und Chips zu essen, tut sich auf Dauer nichts Gutes. Nicht nur, weil viele Chips und Bewegungsmangel ungesund sind, sondern auch, weil neuere Studien zeigen, dass Fernsehen – gerade das mehr oder weniger beiläufige Zappen – unser Gehirn anstrengt, also Stress bedeutet.Die Fähigkeit, Stress zu managen, gewinnt in der modernen Arbeitswelt zunehmend an Bedeutung. Tritt Stress kurzfristig auf, ist er meist gut zu bewältigen. „Kritisch wird es, wenn der Stress lange bestehen bleibt, also etwa über Monate täglich oder fast täglich erlebt wird“, erklärt der Arbeitspsychologe Dr. Dirk Windemuth vom Institut Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). „Dann können sich neben psychischen Folgen wie Demotivierung, Fehlern und innerer Kündigung auch körperliche Konsequenzen einstellen.“
Anzeichen sind unter anderem Verspannungen in Schultern und Nacken, die wiederum zu Schmerzen – auch Kopfschmerzen – führen können. Weniger bekannt ist, dass chronischer Stress Menschen schlechter schlafen lässt und ihre Fähigkeit zur Erholung einschränkt. Windemuth: „Dann genügen Wochenende und Kurzurlaube nicht mehr, wieder neue Kraft zu schöpfen.“ Die Folge: Wer sich nicht ausreichend regeneriert, belastet Herz und Kreislauf über die Maßen – und setzt sich damit einem erhöhten Risiko für Erkrankungen aus.
Unternehmen können durch die Gestaltung von Arbeitsbedingungen und die Förderung von Gesundheitskompetenzen der Mitarbeiter dazu beitragen, Stress zu managen. Und jeder Einzelne kann für sich persönlich aktiv werden. Der erste Schritt dazu ist, sich aus der Abwärtsspirale zu lösen, die durch Stress entstehen kann: Es fängt an mit dem Gefühl, den täglichen Anforderungen nicht mehr gerecht zu werden. In der Folge steigt die psychische und häufig auch körperliche Anspannung – und die Leistungsfähigkeit sinkt tatsächlich ab. Zugleich wird immer mehr vernachlässigt, was uns stark macht, wie der Umgang mit Familie und Freunden, Ausgleich durch Sport und Hobbys, gesunde und angemessene Ernährung. Oft schleichen sich gefährliche Abhängigkeiten ein – sei es von gefährlichen Stoffen wie Alkohol, Tabak oder Cannabis oder von Verhaltensweisen wie Kaufen, Essen oder Internetsurfen. Demfolgen unvermeidlich soziale Konflikte – Stress mit der Familie und im Job – und zunehmende körperliche Beschwerden. Wer jetzt nicht die Kurve kriegt, ist nicht nur für sich selbst und seine Umwelt ziemlich unerträglich, sondern muss langfristig auchmit Jobverlust und sozialem Abstieg sowie ernsthaften Erkrankungen rechnen.
Fluch der Unterbrechung

© digitalstock/A. Pollok Nie gab es so viele Unterbrechungen bei der Arbeit wie heute. Angeblich verliert die amerikanische Volkswirtschaft dadurch 588 Milliarden Dollar pro Jahr. Einziges Mittel gegen den Stressor Unterbrechung: zeitweise abschalten oder umleiten – Handy, Telefon und Outlook. Und einfach mal in Ruhe etwas fertig machen.

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