Dezember 2009
Demografischer Wandel
Gesundheit für jedes Alter
Von seniorengerechter Architektur hin zur barrierefreien Gestaltung aller Lebens- und Arbeitsräume. Die entscheidende Frage angesichts des demografischen Wandels lautet also nicht: Wie gestalte ich einen Betrieb für eine „alte“ Belegschaft? Sondern: Wie erhalte ich das Wissen und die Neugier, die Gesundheit und die Motivation meiner Beschäftigten? Die Erfahrung zeigt, dass dabei pauschale Systeme versagen. Nur dort, wo die Angebote auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Belegschaften zugeschnitten sind, bringen sie die gesamte Unternehmung nach vorne. Dabei kann der demografische Wandel ein Leitmotiv des betrieblichen Gesundheitsmanagements sein. Erster Schritt: sich die Altersstruktur der Belegschaft im eigenen Unternehmen ansehen – und wie sie sich in den nächsten Jahren verändern wird. Zweiter Schritt: aus dem umfangreichen Angebot von Anleitungen zur Selbsthilfe, Beratungsleistungen, Veranstaltungen und Netzwerken schöpfen. Unternehmen, die die Zeichen der Zeit erkannt haben, nutzen dieses Wissen bereits für sich.Beispiel: Fachwissen für die Zukunft sichern
Der mittelständische Galvanik-Betrieb Metoba GmbH in Lüdenscheid hat mit Hilfe eines Demografieberaters die Weichen Richtung Zukunft gestellt. Das Durchschnittsalter der Belegschaft liegt heute bei 33 Jahren, doch bis zum Jahr 2016 steigt es kontinuierlich auf 43,6 Jahre an. Eine Analyse der vorhandenen Qualifikationen und Erfahrungen zeigte, dass in wenigen Jahren gleich mehrere betriebliche „Erfahrungsträger“ in den Ruhestand gehen werden. Die Beschäftigten wurden zu Qualifikationen, Interessen und Schulungsbedarf befragt. Die Informationen flossen in die Personal- und Qualifikationsentwicklung ein. Konkrete Ergebnisse sind eine Qualifizierungsmatrix für das gesamte Unternehmen sowie einige Einzelcoachings. Bereits vor 20 Jahren hat Metoba entschieden, den „Männerberuf “ für Frauen zu öffnen, und hat heute einen für die verfahrenstechnische Industrie hohen Frauenanteil von mehr als 30 Prozent. „Folgerichtig werden flexible Arbeitszeit - modelle angeboten, die eine gezielte Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen“, erklärt Geschäftsführer Dr. Sven Hering. „Es bestehen damit mehr Möglichkeiten der erfolgreichen Personalrekrutierung.“ Um die Belastung durch körperlich schwere Arbeit zu minimieren und damit die Beschäftigungsfähigkeit bis ins Alter zu erhalten, sorgt das Unternehmen für ergo - nomische Arbeitsplatzgestaltung, zum Beispiel durch den Einsatz von Hebehilfen.
Quelle: www.gutepraxis.inqa.de
Beispiel: altersgemischte Teams Seit dem Jahr 2005 setzt die Audi AG gezielt über 40-jährige Mitarbeiter in alters - gemischten Teams ihrer Manufaktur des Sportwagens Audi R8 in Neckarsulm ein. Dort taktet die Linie langsamer als der Rest des Werks und fertigt in geringer Stückzahl ein hochwertiges Produkt. Die Arbeit verlangt präzise Handarbeit und Ausdauer – Eigenschaften, durch die sich besonders erfahrene, ältere Mitarbeiter auszeichnen. Der Altersdurchschnitt der 120 Beschäftigten an der sogenannten „SilverLine“ liegt bei 38 Jahren. Der 50-jährige Markus Pereira hatte sich intern gezielt für die R8-Produktion beworben: „Für mich war das eine Herausforderung, ein richtiger Kick. Jeder hier arbeitet nach einem bestimmten Bauplan, den er im Kopf haben muss. Man muss sich schon ziemlich konzentrieren.“ Weitere Besonderheiten an der SilverLine sind eine gezielte ergonomische Beratung und das Angebot von Ausgleichssport.
Quelle: Audi AG
Weitere Informationen und Unterstützung zum
Thema alternde Belegschaften
• Ein Interview mit Dr. Hanna Zieschang, Institut Arbeit und Gesundheit (BGAG) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, zu Ergonomie für ältere und leistungsgewandelte Arbeitnehmer
• Initiative Neue Qualität der Arbeit
• Demografie-Netzwerk
• BGAG – Institut Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung
• Profis für den Wandel: Lesen Sie einen Beitrag über die Ausbildung zum Disability Manager
•Weitere Beispiele für „Beste Praxis“ stellt die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) auf ihrer Homepage www.gutepraxis.inqa.de vor.
Miriam Becker,
redaktion@arbeit-und-gesundheit.de Fotos: Fox Fotoagentur

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