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ARBEIT UND GESUNDHEIT - August 2010

Titelbild ARBEIT UND GESUNDHEIT August

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August 2010.

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Die alte Haseltalbrücke an der A3 im Spessart musste einer modernen Nachfolgerin weichen. ARBEIT UND GESUNDHEIT begleitete das Sprengteam mit der Kamera.

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Aktuell

| Bild: Dr. Hanna Zieschang |

Demografischer Wandel

Ergonomie erleichtert die Arbeit

Die Arbeitswelt verändert sich: Angesichts der demografischen Entwicklung und längeren Lebensarbeitszeiten wird die ergonomische Gestaltung von Arbeitsplätzen immer wichtiger. ARBEIT UND GESUNDHEIT sprach darüber mit Dr. Hanna Zieschang.

Dr. Hanna Zieschang ist am Institut Arbeit und Gesundheit (BGAG) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung tätig und beschäftigt sich unter anderem mit dem Thema Ergonomie für ältere und leistungsgewandelte Arbeitnehmer.

Frau Dr. Zieschang, müssen Betriebe ihre Arbeitsplätze für ältere Arbeitnehmer anders gestalteten als für jüngere?

Als das Thema Demografischer Wandel aufkam, haben wir uns diese Frage auch gestellt und sind ihr gemeinsam mit der TU Dresden wissenschaftlich au den Grund gegangen. Man weiß ja inzwischen ganz gut, wie sich Kompetenzen mit dem Älterwerden verlagern. Defizite treten eher bei den körperlichen als den kognitiven Fähigkeiten auf. Deshalb haben wir uns die körperliche Beanspruchung an einem Musterarbeitsplatz genau ansehen, an dem ein Schraubstock montiert werden sollte. Es gab eine sehr konventionell eingerichtete Variante und eine, an der wir alle ergonomischen Verbesserungen vorgenommen haben, die den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechen. Die Lehre daraus: Die ergonomischen Verbesserungen haben allen Versuchspersonen die Arbeit erleichtert – sie kamen jüngeren ebenso zugute wie älteren. Höchstens zusätzliche Features waren speziell für Ältere sinnvoll wie eine Lampe, die bei Bedarf zusätzlich eingeschaltet werden kann.

Wie lautet Ihr Fazit des Projektes?

Grundsätzlich gilt: Was wir in der Prävention für die Älteren tun, ist auch für die Jüngern gut. Ergonomie kommt allen Generationen zugute. Das hat auch gerade eine Veranstaltung der Initiative Gesundheit & Arbeit (IGA) bei uns im Institut Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung gezeigt. Eine Reihe von Präventionsexperten verschiedener Branchen und Fakultäten hat die Frage diskutiert, ob bei einer Gefährdungsbeurteilung der Aspekt ältere Arbeitnehmer berücksichtigt werden muss. Fazit der Teilnehmer: Nein. Man muss zwar arbeitsplatzbezogen berücksichtigen, wer dort arbeitet. Aber es keine „Checkliste“ für die Beurteilung von Gefährdungen für ältere Mitarbeiter.

| Bild: Ergonomischer Arbeitsplatz
Ein ergonomisches Arbeitsplatz vermeidet unnötige Belastungen für den Menschen und trägt so zur Gesunderhaltung bei.
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Wie sehen ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze aus?

Ergonomisch heißt menschengerecht. Es geht also darum, unnötige Belastungen zu vermeiden. Das Beispiel des Montagearbeitsplatzes zeigt ganz gut, worum es geht:

  • Arbeitshöhe: Stühle sollten grundsätzlich höhenverstellbar sein, idealerweise auch die Arbeits- und Ablägeflächen

  • Bewegung: Ideal ist der Wechsel zwischen Sitzen und Stehen; um zusätzlich für Bewegung zu sorgen, können bzw. Rollenbänder so platziert werden, dass sie nur durch Aufstehen zu erreichen sind

  • Greifräume: Materialkästen und Rollwagen sollten gut erreichbar sein, nicht zu eng stehen und von den Mitarbeitern individuell platziert werden können, bspw. um Unterschieden wie Rechts- und Linkshänder entgegen zu kommen

  • Visualisierung: die farbliche Codierung von Materialen erleichtert die richtige Zuordnung

  • Muskuläre Entlastung: Schrauber sind an Balancern befestigt

  • Vermeidung von Blendung: Arbeitsflächen haben eine matte Oberfläche

  • Beleuchtung: angemessene Helligkeit, ggf. individuell zu differenzieren

  • Ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze tragen zur Gesunderhaltung bei. Beinhaltet dies, dass wir länger arbeiten können?

    Ein klares Jein. Für die meisten Tätigkeiten gilt die Formel, dass Ergonomie zur Workability, also der Arbeitsfähigkeit beiträgt. Das gilt gerade mit Blick auf die immer weiter verbreiteten Muskel- und Skeletterkrankungen, wegen denen viele Arbeitnehmer sich häufig krank schreiben lassen oder ihren Beruf vorzeitig aufgeben müssen. Wer viel Zeit in einer Zwangshaltungen verbringt, immer wieder die gleiche Bewegung ausführen oder häufig Lasten bewegen muss, dem kommt jede Veränderung in Richtung Ergonomie entgegen. Jeder kann doch nachvollziehen, dass jemand auf einem ergonomischen Bürostuhl gesünder arbeiten kann als auf einem schlechten Stuhl – und wenn es sein muss, eben auch länger. Aber es gibt auch Berufe, in denen ist man irgendwann verschlissen, die kann man nicht bis zur Rente ausüben – da hilft auch gute Ergonomie nur bedingt.
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