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© Jens Goetzke
Prävention
Debatte um die Schweinegrippe-Impfung
[dpa/red 10.08.2009] - In wenigen Wochen soll die größte Impfaktion seit einem halben Jahrhundert anlaufen. Doch vorab gilt es, offene Fragen zu klären:Wer soll geimpft werden? Laut Verordnungsentwurf des Gesundheitsministeriums sind es zunächst vor allem Menschen mit Asthma, Bronchitis, Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenkrankheiten, Diabetes, schwerer Fettleibigkeit, Multipler Sklerose, bestimmten Immundefekten, HIV und Schwangere. Die Kassen sollen mit ihren Abrechnungsdaten herausfinden, welche ihrer Versicherten dazu zählen und diese benachrichtigen. Die Vorbereitungen dafür seien aber noch nicht breit angelaufen. Wie gut und schnell die Auswahl gelingt, ist umstritten. Die Ärzte meinen, "man kann die Auswahl nicht dem Arzt in der Praxis zumuten", so ein Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.
Sind die Impfungen in dem Umfang nötig? Bisher ist der Verlauf der Krankheit meist nicht so schlimm. Der SPD-Abgeordnete Wolfgang Wodarg kritisiert: "Das ist ein Riesengeschäft für die Pharmaindustrie." Der Arzneiversorgungsforscher Gerd Glaeske weist daraufhin, dass nicht einmal der Nutzen der saisonalen Grippe-Impfung klar belegt sei.
Sind die Impfungen riskant? Für Schlagzeilen sorgen Berichte über Risiken, etwa bei Schwangeren. Das zuständige Paul-Ehrlich-Institut wehrt sich gegen Vorwürfe, die Impfstoffe seien nicht genug geprüft. Die grundsätzlichen Daten lägen mit einem bereits bestehenden Impfstoff gegen Vogelgrippe vor. So wie jedes Jahr seien für den neuen Impfstoff Bestandteile von Grippeviren ausgetauscht worden.
Wer führt die Impfung durch? Der Deutsche Städte- und Gemeindebund warnt vor einem Chaos wegen mangelnder Zuständigkeiten. Die Rollen der Gesundheitsämter, der niedergelassenen Ärzte, der Betriebsärzte und der Kliniken würden mit dem Verordnungsentwurf nicht klar bestimmt. Genaue Zuständigkeiten sind tatsächlich noch nicht geregelt. "In den nächsten Wochen geht es darum, dass die Länder Impfvereinbarungen mit den Kassen schließen", sagt eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums.
Sind die Tests zuverlässig? Experten schätzten die Schnelltests als äußerst unzuverlässig ein; sie sollen einzelnen Angaben zufolge Infektionen in mehr als der Hälfte der Fälle nicht anzeigen. Zukünftig sollen Schnelltests nur noch in Ausnahmefällen gemacht werden. Schließlich lässt sich mit einem weiteren Test, einem PCR-Test, genauer prüfen, ob es sich um Schweinegrippe handelt. Kassen und Ärzte einigten sich darauf, dass dieser Test Risikopatienten im Verdachtsfall bezahlt wird.
Quelle: DPA

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