November 2006
Ältere Arbeitnehmer
Bis 67 fit im Beruf?
Mit der Berufswelt von morgen befasst sich das Berufsgenossenschaftliche Institut Arbeit und Gesundheit (BGAG) unter vielen Aspekten. Einer davon sind ältere Arbeitnehmer. Ein Gespräch mit Dr. Wolfgang Gallenberger.Kluge, vorausschauende Unternehmer, denn junge Fachkräfte werden rar. Studien aus Finnland belegen, dass es einen Unterschied macht, ob Führungskräfte vorleben, dass sie mit dem eigenen Älterwerden gut umzugehen wissen und Vorurteile gegenüber älteren Arbeitnehmern geschickt abbauen.
Wie soll das praktisch aussehen, wenn Ältere körperlich erschöpft, nicht mehr so schnell und so lernfähig sind?
Da müsste schon zuvor für einen Belastungswechsel oder Qualifizierung gesorgt werden oder auch vorbeugend für bestimmte krankengymnastische Übungen als Gegenpol zu schwerem Heben und Tragen wie in Bau- oder Pflegeberufen.
Was ist mit der Berufserfahrung der Älteren, die immer in die Waagschale geworfen wird?
Die ist leider nur zum Teil vorteilhaft. Ältere Arbeitnehmer haben im Schnitt weniger Arbeitsunfälle als junge, brauchen dann allerdings eine längere Genesungszeit. Berufserfahrung kann bei völlig neuen Anforderungen wertlos werden und ein Um- und Neulernen erschweren. Man muss heute auch begreifen, dass bestimmte Tätigkeiten nicht ein Leben lang ausgeführt werden können, ohne die Gesundheit zu gefährden.
Viele Arbeitnehmer sind schockiert von dem Plan, bis ins Alter von 67 Jahren arbeiten zu müssen.
In der vorindustriellen Zeit hätte keiner darüber geklagt. Da hieß es arbeiten von der Wiege bis zur Bahre. Aber nachdem sich über Jahre ein Rentenmodell für Frauen ab 60 und für Männer ab 65 Jahren etabliert hatte, werden nun aufgrund der demografischen Situation die Lebensarbeitszeit verlängert, erhoffte Freizeit am Lebensabend verkürzt, Pläne und Ruhestandserwartungen umgestoßen. Da gibt es Unmut.
Finden Sie es richtig, besonders belastete Berufsgruppen vom höheren Renteneintrittsalter ausnehmen zu wollen?
Das kann man so pauschal nicht sagen. Das körperliche Leistungsvermögen eines Menschen lässt schon ab dem 25. Lebensjahr nach. Die Erwerbsfähigkeit hängt davon ab, wie belastend das Berufsleben bisher war, ob es über Jahre einseitige Belastungen wie zum Beispiel Über-Kopf-Arbeit in der Automobilbranche gab oder jahrelange Schichtarbeit. Es reicht nicht, Daten zu Krankheitsverläufen mit Branchen zu vergleichen. Es kommt auf die tatsächlichen Belastungen im Laufe eines Arbeitslebens an.
Der Arbeits- und Zeitdruck hat zugenommen und wird weiterhin steigen bei immer weniger Erwerbstätigen. Ist das nicht auch eine Erschwernis für ältere Arbeitnehmer?
Sicher, aber die geplante Rentenregelung ist ein politischer Kompromiss, die der künftigen Alterssicherung dient. Daran sollte jeder denken und auch individuell etwas für seine Gesunderhaltung und eine lange Lebenserwartung tun.
Das BGAG informiert und diskutiert regelmäßig dazu. Wird die Reihe fortgesetzt?
Ja, es gibt noch viel Beratungsbedarf in den Unternehmen. Für diejenigen, die sich mit dem demografischen Wandel beschäftigen, bieten wir am 16. und 17. Januar 2007 die nächste Veranstaltung an. Wir werden einen praxisnahen Überblick geben, wie Arbeit für Jung und Alt gestaltet werden kann, so dass sie gesund erhält. Es gibt nun mal Unterschiede zwischen Jung und Alt – übrigens bedeutet älter selten schlechter, eher anders –, die bei der Organisation der Arbeit stärker berücksichtigt werden könnten.
Am Institut in Dresden geben Dr. Wolfgang Gallenberger und andere Experten regelmäßig Tipps und Informationen für den altersgerechten Umgang mit Mitarbeitern. Weitere Infos unter www.hvbg.de/bgag
Das Gespräch führte Elke Lier (Ostthüringer Zeitung)/ mir,
redaktion@arbeit-und-gesundheit.de

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