Bild: Bryan Adams
Ausgabe 2 2015

Ganz Ohr

von Angela Krüger (Universum Verlag)
Menschen in vielen Berufen sind Lärm ausgesetzt. Das schadet nicht nur der Konzentration, sondern auch der Gesundheit. Unter hohen Geräuschpegeln leiden unter anderem Beschäftigte in Großraumbüros, auf dem Bau und Musikerinnen und Musiker. Oftmals helfen einfache Schutzmaßnahmen.
Das Rauschen der Klimaanlage, das Klappern der Tastatur, das Gespräch der Kollegin: Im Großraumbüro geht es oft laut zu. Messungen zufolge erreicht der Geräuschpegel in Gemeinschaftsbüros 50 bis 70 Dezibel. Zum Vergleich: Ein Presslufthammer schafft es auf etwa 90 Dezibel. Ein Büro ist zwar nicht mit Arbeitsplätzen zu vergleichen, an denen Beschäftigte Gehörschutz tragen müssen, dennoch wird unsere Leistungsfähigkeit um bis zu zehn Prozent gemindert. Denn: Lärm bedeutet Stress für den Körper. Ist es oft zu laut, kann es zu Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen bis hin zu Magen-Darm-Beschwerden und Schlafstörungen kommen. Wolfgang Panter, Präsident des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte, erklärt: "Lärm wirkt sich negativ auf das vegetative Nervensystem aus." Das kann den Blutdruck erhöhen und das Herz-Kreislaufsystem schädigen. Lärmschutz beugt demnach nicht nur Hörschäden vor, sondern dient der körperlichen und geistigen Gesundheit.

Unser Gehör ist 24 Stunden am Tag auf Empfang. Und das zu Recht, denn es hat die wichtige Funktion, vor Gefahren zu warnen. Daher ist Weghören kaum möglich. Je angeschlagener wir sind, desto schwerer fällt es uns, störende Nebengeräusche auszublenden, um sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Die Folge der akustischen Dauerbelastung können Ermüdungserscheinungen sein.

Dabei ist der Geräuschpegel gar nicht so entscheidend: Schon 40 Dezibel stören Konzentration und Erinnerungsfähigkeit. Vor allem Lesen oder Schreiben wird durch Gespräche im Hintergrund erschwert, weil das Gehirn automatisch versucht, Dialoge zu vervollständigen. Nach einer Untersuchung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin fühlen wir uns gerade dann sehr gestört, wenn wir uns auf eine anspruchsvolle Aufgabe konzentrieren wollen. Das gilt insbesondere beim unfreiwilligen Mithören von Gesprächen. Weghören wollen löst erhebliche Stressreaktionen aus
– und gelingt meist nicht gänzlich.

Unser Gehör – es versorgt uns mit lebenswichtigen Informationen aus der Umwelt. Leider wird das dem Menschen oft erst bewusst, wenn es nicht mehr funktioniert. Darauf machen viele Prominente mit der Aktion "Hear the World Foundation" aufmerksam. Sie lassen sich von dem Musiker und Fotografen Bryan Adams ablichten und erzählen, warum ihnen ihr Gehör – oft gerade im Beruf – so wichtig ist. Damit engagieren sie sich aktiv in der Prävention und Aufklärung rund um die Themen Hören und Hörverlust.

Was tun gegen zu viel Lärm am Arbeitsplatz? Am besten erst einmal messen. Das ist die Grundlage, um – am besten im Zuge einer Gefährdungsbeurteilung – geeignete Schutzmaßnahmen zu treffen. Grundsätzlich legt die Arbeitsstättenverordnung fest, dass der Schallschutzpegel so niedrig zu halten ist, wie es nach Art des Betriebes möglich ist. Die zulässige Geräuschbelastung orientiert sich am Stand der Technik und den arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen.

Aber wie laut ist es eigentlich? Bei der Einschätzung von Lärm helfen die Herstellerangaben zu Geräten und Maschinen. In der Betriebsanleitung oder den Verkaufsunterlagen muss stehen, wie laut es werden kann, sobald der Startknopf gedrückt wird. Zu diesen Angaben verpflichtet das Produktsicherheitsgesetz. Geräte mit mehr als 63 Dezibel Schallleistungspegel sollen nicht in einem Raum stehen, in dem konzentriert gearbeitet wird. So empfiehlt es das Umweltbundesamt. Übrigens belasten hohe Frequenzen besonders stark.

Tatsächlich wird es im Büro ein ganzes Stück leiser, wenn geräuscharme Arbeitsmittel gekauft werden – zum Beispiel Tastaturen mit leisem Anschlag. Auch ist ausreichend Platz im Büro für das Lärmempfinden entscheidend: "Eine Verdopplung des Abstands bedeutet eine Halbierung des Schalls", sagt Panter. Die Verwaltungs- Berufsgenossenschaft (VBG) hat eine Menge Tipps parat, wie es in Büroräumen geräuscharm zugehen kann. Das fängt bei der Raumgestaltung an: schallschluckende Decken, Wände, Möbel und Teppiche. Am klügsten ist es, den Lärmaspekt bei der Planung eines Büros gleich zu berücksichtigen. "Akustisch gut gestaltete Räume sind kein Zufall", weiß Andreas Stephan, Leiter des Sachgebiets Büro bei der VBG. Nachbesserungen sind oft teurer und haben weniger Effekt. "Akustisch optimal gestaltete Büroräume mindern den Stresspegel, wodurch die Fehlerhäufigkeit sinkt", erklärt er.

Lärmschwerhörigkeit


Lärmschwerhörigkeit gehört zu den häufigsten anerkannten Berufskrankheiten – denn ein einmal erworbener Gehörschaden ist nicht heilbar. In einem Kurzfilm der DGUV werden die wichtigsten Aspekte rund um Lärm und Gehörschutz dargestellt: Wann spricht man von Lärm und wann ist er schädlich? Mehr unter www.dguv.de

TIPP: Lärm-Portal des IFA

Das Lärm-Portal des Instituts für Arbeitsschutz der DGUV (IFA) bietet umfassende Fachinformationen zu Lärm am Arbeitsplatz, weiterführende Links, Softwarehilfen und Kontaktmöglichkeiten: www.dguv.de
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